Zottels Zeug
 Fri, 21 Nov 2014 23:37:10 +0100 zuletzt bearbeitet: Fri, 28 Nov 2014 21:56:11 +0100  
Im Zuge unseres Neubaus vor zwei Jahren, und zuvor schon in dem Reihenhaus, das wir zur Miete bewohnt haben, habe ich mich sehr intensiv mit verschiedenen technischen Möglichkeiten zum Energiesparen beschäftigt. Hier ein Überblick über meine Ergebnisse.

Heizungssteuerung/-absenkung


Wenn man traditionelle Heizkörper sein eigen nennt, auch als Mieter in einer Wohnung, hat man mittlerweile eine große Auswahl an Systemen, die bei Abwesenheit die Raumtemperaturen absenken können. Statt des traditionellen Thermostats montiert man dazu einen elektronischen Regler auf die Heizung, funkgesteuert durch ein Raumthermostat oder auch direkt am Heizkörper selbst geregelt. Auch die Heizungsanlage selbst kann so eingestellt werden, dass sie nachts oder, wo sinnvoll, auch tagsüber, die Raumtemperatur absenkt.
Grundsätzlich ist das eine sehr sinnvolle Möglichkeit, Heizkosten zu sparen. Die Einsparpotentiale werden allerdings oft überschätzt.
„Ich heize acht Stunden lang nicht, das ist ein Drittel des Tages, also müsste ich etwa 33% einsparen.“ Mitnichten.
Die Energie, die beim Abkühlen des Raumes eingespart wird, muss später wieder hineingesteckt werden, um ihn wieder auf die ursprüngliche Temperatur zu bringen – das ist ein Nullsummenspiel.
Die Einsparung ergibt sich ausschließlich dadurch, dass bei einem abgekühlten Raum die Differenz zur Außentemperatur geringer wird. Je größer sie ist, desto mehr Wärmeenergie geht nach draußen verloren. Deshalb lässt sich mit erkalteten Räumen Energie sparen.
Am besten funktioniert das natürlich bei schlecht gedämmten Häusern. Da viel Energie nach außen verloren geht, kühlt sich der nicht mehr geheizte Raum schnell ab, und somit reduziert sich der Energieverlust.
In sehr gut gedämmten Häusern reduziert sich die Temperatur über Nacht kaum – entsprechend gering ist das Einsparpotential. Was nicht heißt, dass man darauf verzichten sollte, jedes eingesparte Kilowatt ist gut. Insofern schadet es auch nicht, bei der Heizung eine Nachtabsenkung zu programmieren, selbst wenn man in einem Passivhaus wohnt. Und wenn es nicht ums Geld geht, sondern ums Energiesparen aus Prinzip, kann man nichts falsch machen.
Wenn man aber mit dem Ziel der Kosteneinsparung entsprechende Technik anschafft, muss man schon überlegen, ob die Anschaffungskosten je hereingeholt werden können.
Grob kann man sagen: Im Altbau sicher ja, im Neubau wahrscheinlich nicht, dazwischen muss man abwägen.

Wärmepumpen


Diese Anschaffung hatte ich für unseren Neubau überlegt, dann aber verworfen. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe wäre halbwegs bezahlbar gewesen, ist aber wohl (wie ich aus Berichten verschiedener Leute, die hoffentlich wirklich mehr wissen als ich, herausgelesen habe) nicht so effizient wie sie oft beworben wird. Sie muss ja aus einer Temperaturdifferenz Energie ziehen, und das tut sie mit der Außenluft, ergo wird das immer schwieriger, je kälter es draußen ist.
Mit anderen Worten: Dann, wenn man am meisten Wärme braucht, ist die Wärmepumpe am ineffizientesten. An kalten Wintertagen hat man eigentlich nichts besseres als einen klassischen Heizstab zur Verfügung. Außerdem tun sich Wärmepumpen recht schwer, höhere Temperaturen zu erzeugen, wie sie für die Warmwasserversorgung nötig sind. Anders gesagt: Genug Wärme für Fußbodenheizung, die ja in einem gut isolierten Haus nur wenig jenseits 30°C Vorlauf braucht, ist kein Problem und schön effizient. Aber die 50°C+ für Warmwasser klappen nicht so gut.
Oder auch für klassische Heizkörper, die je nach Außentemperatur und Dämmung oft mehr als 50°C Vorlauftemperatur benötigen – Luft-Wasser-Wärmepumpen, die für Häuser ohne Fußboden-/Wandheizung verkauft werden (oder auch, meiner Meinung nach unabhängig von der Heizquelle extrem blödsinnig, für Häuser, die sowohl über Fußbodenheizung als auch über Heizkörper geheizt werden, z.B. FBH im EG, aber Heizkörper im OG), halte ich für Nepp.
Ob Luft-Wasser-Wärmepumpen überhaupt richtig sinnvoll sind, ist zumindest diskutabel.
Besser sind Wärmepumpen, die Erdsonden (am besten) oder Schlauchwindungen dicht unter der Erde im Garten nutzen. Aber auch wesentlich teurer. Die Sache mit den Schlauchwindungen ist nicht ganz so teuer. Um einen guten Wärmetausch zu gewährleisten, muss die Erde um die Schläuche aber immer feucht sein. Schwierig in Trockenperioden, und unser Garten wäre für so eine Lösung vmtl. eh zu klein gewesen.
Unser Grundstück war sowieso mit Erdgas versorgt, insofern haben wir uns dann für eine Brennwert-Erdgas-Therme entschieden.
Erdöl ist übrigens immer etwas schwieriger, weil sich Erdöl-Brenner nur schlecht in der Leistung regeln lassen. (Neuerdings gibt es da was, glaube ich, aber neu und teuer.) Das ist insbesondere deshalb problematisch, weil Heizungsbauer (zumindest laut Berichten im Web) dazu tendieren, die Heizungsanlage wesentlich zu groß zu dimensionieren, also eine Anlage zu installieren, die deutlich mehr Heizleistung liefern könnte als das Haus tatsächlich benötigt.

Solarthermie


Ist sinnvoll, und zumindest für die Warmwasserbereitung sollte man das auf jeden Fall in Erwägung ziehen. Natürlich gilt auch hier: Die meiste Wärme steht im Sommer zur Verfügung, wenn man sie gar nicht braucht. Im Winter reicht es meist nicht, um den Warmwasserbedarf zu decken, zumindest nicht, wenn es lange so bewölkt ist wie jetzt. Oft versprechen Firmen, die so etwas verkaufen wollen, das Blaue vom Himmel herunter und rechnen mit Einsparungen, die nie und nimmer zu erzielen sind.
Zumindest bei einem Neubau würde ich das aber auf jeden Fall aufs Dach setzen – und meist ist es eh dabei, weil es sonst relativ schwierig ist, den KfW-vorgeschriebenen Endenergiebedarf einzuhalten.
In unserer Konfiguration (drei Kollektoren) kann im Sommer die Heizung meist ganz ausbleiben, weil der komplette Warmwasserbedarf über Solarthermie gedeckt werden kann.
Empfehlenswert sind Flachkollektoren, evtl. solche von etwas höherer Leistungsklasse (die bei Kälte weniger Wärme an die Umgebung verlieren und auch bei der Energieumsetzung einen hohen Wirkungsgrad haben). Die besten (und teuersten) kommen heute an Vakuum-Röhren-Kollektoren heran.
Vakuum-Röhren-Kollektoren sind teuer, aber sehr effizient. Hauptproblem: Sie sind empfindlich. Im Sommer ist es ganz normal, dass die Kollektoren (ob flach oder Röhre) sich so sehr aufheizen, dass die Wärmegewinnung abgeschaltet wird, um das System nicht zu beschädigen. Röhrenkollektoren können dann explodieren und müssen danach ausgetauscht werden. In solchen Systemen wird somit oft versucht, überschüssige Wärme abzuführen – zum Beispiel im Hochsommer in die Fußbodenheizung. Yay!
Bei der Heizungsunterstützung durch Solarthermie bin ich schon skeptischer. Grundsätzlich gilt: Vom Umweltaspekt her ist das natürlich immer gut. Finanziell rechnen wird es sich in einem energetisch guten neuen Haus aber eher nicht. Die gesamte notwendige Heizenergie ist so gering, dass sich solche Systeme selbst bei einer praktisch unmöglichen hundertprozentigen Einsparung oft nicht rechnen würden. Tatsächlich realistisch sind meist weniger als 30%.
Vielleicht ist es bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe noch anders, wo die Heizenergie im Winter relativ teuer ist. Bei Gas lohnt es sich definitiv nicht.
Anders ist das natürlich bei der Nachrüstung in alten Häusern. Wo viel Energie für Heizung draufgeht, kann mit einer entsprechend dimensionierten Anlage auch viel eingespart werden.
Weiterhin gibt es die Möglichkeit, mit Schichtspeichern die Ausnutzung der Solarthermie zu optimieren. In einem einfachen Speicher verteilt sich das Wasser auf natürliche Weise: Unten kalt, oben warm. Der Wärmetauscher befindet sich meist im Speicher selbst, oben kommt heißes Fluid rein, wendelt sich dann durch bis unten und wird dabei abgekühlt. Dabei bleibt der Speicher nicht ideal geschichtet, d.h. die Wärmeschichten vermischen sich. Es wird quasi in der Mitte unnötig warm und oben unnötig kühl (oben wird das Warmwasser natürlich entnommen).
Schichtladespeicher haben den Wärmetauscher meist außerhalb des Speichers. Je nach Wärme des erwärmten Wassers wird es dann auf unterschiedlicher Höhe des Speichers eingespeist, und die Schichtung bleibt besser erhalten.
Nachteil: Komplizierte Technik, hoher Preis.
Bei Heizungsunterstützung kann das aber durchaus Sinn machen, weil dann gezielt auch kühleres Wasser entnommen werden kann, nicht warm genug für das Warmwasser, aber sehr wohl für die Fußbodenheizung.
Ohne Heizungsunterstützung würde ich zu Schichtspeichern sagen: Jedes eingesparte Kilowatt ist gut; wenn man es sich leisten kann, sollte man das machen. Ich glaube aber nicht, dass sie den Aufpreis reinholen können.
Besonders interessant fand ich in diesem Zusammenhang das System von EFG Sandler, #^http://www.efg-sandler.com/ . Die Ideen finde ich grundsätzlich sehr einleuchtend, aber es ist mir nie richtig gelungen festzustellen, ob diese Firma wirklich seriös ist, und das Angebot, das ich mir habe erstellen lassen, war preislich jenseits von gut und böse.
Noch ein Stichwort: „Hygienespeicher“. Bedeutung: Bei der Warmwasserbereitung wird hier nicht das Wasser an sich, das später auch an die Wasserhähne „ausgeliefert“ wird, im Tank gespeichert. Statt dessen wird immer Frischwasser benutzt, das durch einen Wärmetauscher im Tank aufgeheizt wird. Vorteil: Keine Legionellengefahr. Nachteil: Zumindest ein bisschen Effizienzverlust, Kosten.

Lüftungsanlage


Das einzige wirklich teure Gadget, das wir uns geleistet haben. Im Fachjargon eine „KWL mit WRG“, also kontrollierte Wohnraum-Lüftung, und zwar mit Wärmerückgewinnung.
Ich halte das für eine sehr sinnvolle Anschaffung. Hier kann wirklich viel Energie eingespart werden. Unser Haus erfüllt „nur“ KfW 70, aber bei Außentemperaturen größer als 12°C müssen wir nicht heizen. Die Wärme, die schlicht durch die Anwesenheit der Familie, durch kochen und duschen etc. eingebracht wird, reicht aus – weil sie zum größten Teil im Haus bleibt. Lüften nicht nötig (aber natürlich möglich).
Durch den hohen Preis ist auch hier fraglich, ob sich das wirklich amortisiert. Sagen wir so: Wenn man nicht die Filter wechseln müsste, würde es sich auf jeden Fall lohnen. Die Filter sind aber relativ teuer (wenn man nicht Ersatzprodukte benutzt) und führen letztlich zumindest in unserem Fall dazu, dass die Amortisierung in 15 Jahren zumindest knapp wird. Wegen des hohen Energie-Einsparpotentials besonders bei sehr gut gedämmten Häusern (lüften muss man schließlich immer, und gerade dann, wenn das Haus sehr dicht ist) halte ich die Investition trotzdem für sinnvoll.
Nachteile: Nachrüstung schwierig bis unmöglich, weil die Rohre in Decken/Wänden verlegt werden müssen. Manche haben Angst vor Schimmel in den Rohren (was ich persönlich aber wegen des ständigen Luftstroms mit trocknender Wirkung für unwahrscheinlich halte). Teuer.

Flächenheizungen


Grundsätzlich gilt: Je größer die Fläche ist, die der Heizkörper hat, und je besser sie im gesamten Raum verteilt ist, desto niedriger kann die Vorlauftemperatur der Heizung sein. Flächenheizungen (Fußboden-/Wandheizungen) haben hier naturgemäß Vorteile. In einem gut gedämmten Haus reicht selbst im tiefsten Winter meist eine Vorlauftemperatur von unter 35°C, um es im Haus mollig warm zu haben. Das spart ebenfalls Kosten (allerdings hauptsächlich deswegen, weil auf dem Weg zum Heizkörper wegen der geringeren Temperatur weniger Energie verlorengeht, und weil sich die Wärme besser im Raum verteilt).
Das bedeutet auch: In gut gedämmten Häusern merkt man kaum etwas von der Fußbodenheizung; es ist nicht wie früher, dass der Boden merklich warm ist, was gerne zu „dicken Füßen“ etc. geführt hat: Die Temperatur des Bodens liegt eigentlich immer unter Körpertemperatur.
Nachteile: Man sollte die Bodenbeläge sorgfältig auswählen. Bei Wandheizungen muss man beim Bohren aufpassen, dass man die Schläuche nicht beschädigt. Sehr träge: Ein kaltes Haus kann im Winter Tage brauchen, bis es wieder auf die gewohnten Temperaturen kommt. Wenn man die Heizung für den Urlaub programmiert, muss man das beachten und sie unbedingt rechtzeitig (d.h. mindestens einen Tag vor der Rückkehr) wieder hochregeln.

#Energiesparen