Zottels Zeug
 Sat, 22 Nov 2014 00:19:27 +0100 zuletzt bearbeitet: Fri, 28 Nov 2014 21:45:53 +0100  
Eine Fußbodenheizung kann im Vergleich zu traditionellen Heizkörpern Energie sparen, weil sie eine deutlich geringere Vorlauftemperatur benötigt. Um ihr volles Potential auszuschöpfen, muss sie aber auch richtig eingestellt werden – und das ist nicht so ganz einfach.
Einiges aus dem folgenden Artikel lässt sich auch auf Heizungsanlagen mit Heizkörpern übertragen, mein Fokus liegt aber auf der Fußboden- bzw. Wandheizung.

Grundlagen


Die Thermostate in den Räumen funktionieren nicht so wie bei Heizkörpern, regeln also nicht stufenlos. Sie machen einfach nur die Leitung auf oder zu, nur 0 und 1.
Das Ziel bei der Einstellung der Heizung ist eine möglichst große Spreizung zwischen Vor- und Rücklauftemperatur, d.h. im theoretischen Ideal ist das heiße Wasser, das in den Heizkreislauf eingespeist wird (= Vorlauf), auf Zimmertemperatur abgekühlt, wenn es wieder zur Therme zurückkommt (= Rücklauf). Mit anderen Worten: Es wird nur so viel Wärme erzeugt, wie wirklich gebraucht wird, kein bisschen mehr. Ganz so ist das natürlich nicht erreichbar. Und: Zumindest unsere Therme zeigt die Rücklauftemperatur auch nicht an, eigentlich auch nicht richtig den Vorlauf, nur die Temperatur, die das Wasser in der Heizung gerade hat – wenn der Brenner aus ist, entspricht das also dem Rücklauf, wenn er an ist dem Vorlauf.
Alle modernen Heizungen sind „außentemperaturgeführt“, d.h. sie haben einen Temperaturfühler an der Außenwand des Hauses und regeln die Vorlauftemperatur in Bezug zur Außentemperatur. Weil die benötigten Wärmemengen natürlich nicht in jedem Haus gleich sind, gibt es die „Heizkurve“. In der Anleitung zur Therme (meist nur in der Version, die für den Heizungsbauer bestimmt ist, aber zumindest wir haben die bekommen) sind die Heizkurven in einer Grafik dargestellt; man kann anhand einer Zahl in der Konfiguration der Heizung eine auswählen. In der Grafik kann man sehen, welche Außentemperaturen zu welchen Vorlauftemperaturen führen. Sie unterscheiden sich in der Steigung, d.h. ein Grad weniger Außentemperatur führt zu einem halben Grad mehr Vorlauftemperatur, oder eben zu 0,7 Grad oder 0,3 Grad etc.
Zusätzlich kann man die Kurve nach oben oder unten verschieben, um die gleiche Steigung zu haben, aber eine niedrigere oder höhere Vorlauftemperatur bei einer bestimmten Außentemperatur zu erzielen. Damit wird der sogenannte „Fußpunkt“ eingestellt. Für mich wenig einleuchtend ist das je nach Fabrikat dadurch zu erreichen, dass man die gewünschte „Zimmertemperatur“ verändert. So ist bei uns, wenn ich mich recht erinnere, eine Zimmertemperatur von 23°C eingestellt, obwohl die tatsächlich erreichte Temperatur nur bei um die 21°C liegt. Einige Systeme bieten auch die Möglichkeit, anhand einer tatsächlich gemessenen Zimmertemperatur zu regeln, die dann aber nur in einem Raum gemessen wird.
Neben den Thermostaten können die einzelnen Heizkreisläufe der Fußbodenheizung für die Zimmer (teils mehrere Zimmer, z.B. Flur + Klo + Hauswirtschaftsraum bei uns) an Ventilen geregelt werden, die sich meist irgendwo in einem Kasten in der Wand befinden. Hier wird die tatsächliche Durchflussmenge bestimmt, wenn der jeweilige Kreislauf gerade offen ist. Das wird auch als „hydraulischer Abgleich“ bezeichnet.

Einstellung der Fußbodenheizung


Jetzt wird es kompliziert und zeitaufwendig:
Die Heizung ist dann am effizientesten, wenn sie über den hydraulischen Abgleich so eingestellt ist, dass für jedes Zimmer genau die benötigte Wärmemenge zur Verfügung gestellt wird. Das bedeutet:
Man dreht alle Raumthermostate auf die maximale Temperatur, damit sie die Kreise alle aufmachen. Das Ventil für den wärmsten Raum (meist Bad) dreht man komplett auf, die anderen je nach geschätzter Charakteristik vielleicht ein bisschen weiter zu oder auch nicht. Dann regelt man tage- bis wochenlang am Fußpunkt und vielleicht auch schon an der Heizkurve herum, bis man einen Wert erreicht hat, wo es im wärmsten Raum nicht zu heiß und auch nicht zu kalt wird. Derweil regelt man auch die Ventile für die anderen Räume ein, wenn es dort zu heiß oder zu kalt wird.
Das dauert, auch deshalb, weil so eine Fußbodenheizung ja furchtbar träge ist und man letztlich erst am nächsten Tag beurteilen kann, ob die neue Einstellung jetzt passt.
Dann wartet man auf anderes Wetter. Ob die Steigung der Heizkurve passt, kann man ja erst feststellen, wenn es kälter oder wärmer wird. Wenn man merkt, dass es bei kaltem Wetter zu kalt ist (bei wärmerem Wetter aber richtig), muss die Heizkurve steiler werden. Ist es bei wärmerem Wetter zu warm (bei kaltem aber richtig), kann man die Kurve flacher machen. Dabei muss man aber evtl. den Fußpunkt wieder ein Stück nach oben/unten schieben, damit bei kaltem bzw. warmem Wetter wieder die gleiche Vorlauftemperatur gefahren wird wie bisher.
Letztlich muss man fast eine ganze Heizperiode lang basteln (irgendwann dann natürlich mit wieder aktivierten Raumthermostaten, sonst bekommt man Akzeptanzprobleme in der Familie). Wenn die Raumthermostate wieder auf die gewünschten Temperaturen eingestellt sind, kann man nur noch „zu kalt“ feststellen, d.h. man macht die Kurve flacher, bis es bei Kälte zu kalt wird, und macht sie dann wieder etwas steiler, und man versucht auf ähnliche Weise, den idealen Fußpunkt zu finden.
Theoretisch ist der hydraulische Abgleich Aufgabe des Heizungsbauers, aber wie anhand des Aufwands klar wird: Zumindest ideal wird es sicher kein Heizungsbauer einstellen. Bei unserem Haus wurde nur Pi mal Daumen irgendwas eingestellt, keine weiteren Besuche für Nachregelungen, und natürlich mit viel zu hoher Vorlauftemperatur – so kann man nichts falsch machen, die Raumthermostate machen ja dann zu. Nur lässt sich natürlich einiges einsparen, wenn man es richtig macht.
Folgt man der reinen Theorie, sollte man die Raumthermostate immer auf 30°C+ eingestellt lassen – wenn die Heizung perfekt konfiguriert ist, passt die Temperatur dann ja. In der Praxis kommt aber die Sonneneinstrahlung hinzu: An sonnigen Tagen sorgt sie für sehr kräftige zusätzliche Aufheizung der Räume – und der Außentemperaturfühler der Heizung bekommt das nicht mit, weil er sinnvollerweise normalerweise an der Nordseite des Hauses angebracht wird. Dadurch würde es viel zu warm werden.
An sonnigen Tagen ist es also erwünscht, dass das Raumthermostat den Heizkreis des Zimmers schließt. Dass die Heizung dann evtl. warmes Wasser an allen Kreisen vorbei pumpt (weil sie geschlossen sind) und es sinnlos auf z.B. 32°C hält, ist nicht zu verhindern.
Was sich aber verhindern lässt, ist eine viel zu hohe Einstellung der Vorlauftemperatur, die unnötig Energie verschwendet. Was unser Heizungsbauer hinterlassen hat, hätte je nach Außentemperatur häufig zu Vorlauftemperaturen jenseits der 50°C geführt – die einzelnen Kreise hätten also immer mal für eine Weile aufgemacht, dann wieder geschlossen, und die Heizung hätte völlig unnötig das Wasser ständig auf dieser hohen Temperatur gehalten.
Das muss nicht sein.
Zum Schluss bleibt noch die „Heizgrenztemperatur“ zu erwähnen: Das ist die Außentemperatur, unterhalb der die Heizung überhaupt erst aktiviert wird. Wie schon erwähnt habe ich sie für unser Haus auf 12°C eingestellt.
Auch hier sollte man aber nicht alles der Automatik überlassen: In der Übergangszeit zwischen Sommer und Herbst liegen die Temperaturen am frühen Morgen oft unterhalb dieses Wertes, so dass die Heizung aktiviert werden würde. Weil es tagsüber aber wesentlich wärmer wird, ist das noch nicht nötig.
Während der Sommermonate schalte ich die Heizung deshalb auf reinen Warmwasserbetrieb, so dass die Heizkreise für die Erwärmung des Hauses gar nicht beschickt werden. Erst wenn es so kalt wird, dass gefühlt eine Beheizung des Hauses notwendig wird, aktiviere ich die Heizung wieder.

#Energiesparen
Kai
Kai
Wed, 28 Jan 2015 12:04:39 +0100 
Das ist mal ein interessanter Artikel...werd ich mal testen